ERLESENES: „DARUM" VON DANIEL GLATTAUER 23.06.09
Wenn man sein Kind fragt, warum es dieses oder jenes getan hat, erhält man oft die Antwort: „Darum!" So ergeht es auch all jenen, die in dem gleichnamigen Roman von Daniel Glattauer versuchen, dem geständigen Mörder sein Motiv zu entlocken. Doch der beliebte Gerichtsreporter, Jan Rufus Haigerer, weigert sich beharrlich bis zum Schluss seine Beweggründe preiszugeben. Aber er will für seine Tat bestraft werden und geht freiwillig ins Gefängnis. Niemand kann sich wirklich vorstellen, dass der unbescholtene Journalist die Tat begangen hat. So kommt es, dass sich alle für ihn einsetzen: seine Freunde, die Presse und die schöne Staatsanwältin. Nur einer spielt da nicht mit: Jan Rufus Haigerer.
Der Roman von Daniel Glattauer ist eine skurrile Geschichte, die einen vom Anfang bis zum Ende fesselt. Man fühlt sich gefangen in einem falschen Film, wo Ankläger zu Verteidiger werden und der Täter zum Opfer wird. Und immer wieder erwischt man sich selbst, wie man an der Wahrheit zweifelt. Wie man nicht glauben kann, dass ein so netter und unbescholtener Mensch wie der Gerichtsreporter kaltblütig gemordet haben will.
Das Buch besticht durch seine überraschenden Wendungen und seinen feinsinnigen Humor, der einen immer wieder lauthals auflachen lässt. Wie z. B. in der Szene wo Haigerer nach wochenlanger Haft vor dem Spiegel steht und erschreckt feststellt: „Zugegeben. Ich hatte mein Äußeres in den letzten Wochen ein bißchen vernachlässigt, aber dass mir Keith Richards einmal entgegen blicken würde, hätte ich nicht für möglich gehalten."
Auch wenn das Ende für erfahrene Leser dann doch nicht so überraschend und die Beziehung zur Staatsanwältin ein wenig an den Haaren herbeigezogen ist, kann ich das Buch jedem empfehlen, der nach einem kurzweiligen Lesevergnügen sucht. Warum? Darum!
Daniel Glattauer, Darum
Goldmann Verlag, 317 Seiten
Taschenbuch, € 7,95


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