VERKEHRTE EINHEIT 02.10.10
Zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit: Ein Sketch aus dem Jahr 1997, den ich gemeinsam mit meinem Freund Stefan Keim für das ARD-Morgenmagazin in einer Kölner Kneipe gedreht habe. Es handelt sich hier um die abgeschwächte Fassung des Original-Sketches, der so von der Redaktion abgenommen worden ist, aber schlussendlich aus "Platzmangel" doch nicht gesendet wurde.
Zwei Menschen beim Frühshoppen philosophieren über den morgigen Feiertag.
Jörg: Was machst Du denn morgen am Feiertag?
Stefan: Och, ma gucken.
PAUSE
Jörg: Hm. Haste mal darüber nachgedacht, was passiert wäre, wenn es 1990 eine Wende gegeben hätte.
Stefan: (leicht irritiert) Gab doch ne Wende.
Jörg: Nein, ich meine umgekehrt. Ne umgekehrte Wende. Der Sieg des Sozialismus über die kapitalistische Bundesrepublik.
Stefan: Du spinnst. Pass auf, ich erklär dir jetzt mal die Weltgeschichte in 6 Begriffen: Urknall. Sündenfall. Donnerhall. Weihnachtsstall. Mauerfall. Opernball. (kleine Pause) Der Marx ist jetzt bei die Engels. Und Deutschland ist ne Punica Oase. (lacht über seinen eigenen Witz)
Jörg: Ja, aber stell dir doch mal vor, die DDR hätte die marode BRD beerdigt. denkt versonnen)
Stefan: Dann wäre Wolf Biermann jetzt in Österreich. (lacht wieder)
Jörg: (lässt sich nicht beirren) Also, angenommen die Wessis wären auf die Straße gegangen. Montagsdemo in Bonn. Dann AufRuhr. Sturz des Kanzlers und Helmut und Hannelore Kohl wären in die amerikanische Botschaft geflüchtet. (ist stolz auf seinen schlüssigen Gedanken)
Stefan: (lässt sich vom rumspinnen jetzt anstecken) O.K., aber die USA hätten selbst ganz viele Probleme: Florida, Texas und Kalifornien wäre eigene Staaten und es gäb nur noch die GAS, die Gemeinschaft Amerikanischer Staaten.
Jörg: Und die CDU wäre verboten worden, hätten sich aber gleich wieder neu formiert und umbenannt in ... PDS: Partei des Demokratischen Sonderwegs.
Stefan: (eifrig) Und Alfred Dregger hätte in der Volkskammer als Alterspräsident die Antrittsrede gehalten. (jetzt lachen beide)
Jörg: Die SPD hätte sich umbenannt und die Buchstaben rumgedreht. Die hieß dann PDS...ähm...obwohl....nee, das geht jetzt nicht... Vielleicht PDS light?
Stefan: Und die FDP?
Jörg: Rexrodt hätte man nach Moskau geschickt, weil er von Wirtschaft keinen Plan hat.
Stefan: Eine Treuhand unter Schalck-Golodkowski hätte die maroden Westbetriebe saniert und in staatliche Hände überführt.
Jörg: Es gäbe keine Arbeitslosen mehr.
Stefan: Doch, einen: Bernhard Jagoda. (lacht wieder)
Jörg: Der ist gut. (setzt noch einen drauf) Und weißt du was: Jeder Wessi könnte seine BND-Akten einsehen! (stimmt in das Gelächter ein)
PAUSE
Jörg: Weißt Du, das Ganze hat nur einen Haken. Wenn das alles so passiert wäre, dann säßen wir nach so einem systemfeindlcihen Gespräch jetzt nicht in der Kneipe, sondern in Bautzen.
(Beide stocken kur und lachen dann. Prosten sich zu. Fade out)

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