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Im Fußball muss man mit allem rechnen! 08.08.11

Der gemeine Fußballreporter beherrscht nicht nur das Einmaleins des Fußballs, sondern auch alle Grundrechenarten. Und er wendet sie gnadenlos an. Wie zum Beispiel in der letzten Saison, erinnern Sie sich: In jedem Spiel wurden wir penetrant mit Prozentzahlen belästigt. Bayern hatte beispielsweise in jedem Spiel 127 Prozent mehr Ballbesitz als der Gegner. Mindestens. Und auch in dieser Spielzeit müssen wir wieder mit allem rechnen - vorzugsweise mit Metern.

Mit dem Anpfiff zur neuen Saison gibt es in der medialen Aufbereitung der Bundesliga eine wegweisende Neuerung: Nein, nicht der langersehnte und sinnvolle Chip im Ball feiert seinen Einstand, sondern die virtuelle Fußfessel. Jeder Fußballer ist an den Schrittzähler gelegt, wird Schritt auf Tritt verfolgt. Ja, die Wege des Herrn Fußballers sind ergründlich. Die Zeit der Standfußballer, der Stehgeiger und der Michael Ballacks sind endgültig passe.

Big brother is watching Fußball. Im Auftaktmatch Dortmund gegen Hamburg wurde bereits das ganze Aus-Maß flächendeckend deutlich. Während die Spieler sich die Lunge aus dem Hals rannten, gingen die Reporter von ARD und Sky am Zoll-Stock, analysierten alle Laufweg-Grafiken und hatten sofort die Gründe für den BVB-Sieg ohne Gewähr bei Fuß: Die Borussen sind zehn Kilometer mehr gerannt als der gemeinhin trabende HSVler. Früher musste man Ball und Gegner laufen lassen, heute ist der moderne Profi angehalten … äh … verpflichtet innerhalb der 90 Minuten jeden Grashalm mindestens einmal persönlich zu begrüßen. Rennen ist in der Bundesliga das neue Band-Maß aller Dinge. Ich höre schon wie die Fassbender-Erben jubilieren: „Den Ochs und Götze in seinem Lauf hält weder Foul noch rote Karte auf." Das Fußballstadion verkommt zum Laufstall. Und wir dürfen gespannt sein, was nächstes Jahr kommt – vielleicht Bruch-Rechnen nach Blutgrätschen?